Was soll das mit dem Sex?

Nicht nur Menschen macht es mitunter Schwierigkeiten, den richtigen Partner zu finden. Auch für Tiere und Pflanzen ist die zweigeschlechtliche Fortpflanzung eine mühsame, oft gefährliche Angelegenheit – und manche verzichten denn auch darauf. Weshalb sich Sexualität trotzdem in der Natur durchgesetzt hat, war Forschern lange ein Rätsel.

Sex in der Tiefsee ist schon etwas ganz besonderes. In ewiger Dunkelheit liegen die Weibchen des Anglerfisches auf dem Meeresgrund, kräftige Fische mit einem furchterregenden Maul. Auch die Männchen sind in ihrer Jugend ganz ansehnliche Fische, die in der offenen See leben. Mit zunehmender Reife beginnen jedoch seltsame Veränderungen mit ihnen. Ihre Nasenlöcher werden immer größer und bald beherrscht sie nur noch ein Gedanke: ein Weibchen finden. Sie stoßen hinab in die Tiefsee, schnuppern, suchen, finden mit viel Glück ein Weibchen und heften sich an sie. Hier verkümmern die Männchen bald völlig: sie schrumpfen, Maul und Darm verschwinden, ihr Blutkreislauf wird eins mit dem des Weibchen und übrig bleibt kaum mehr als eine Drüse, die bei Bedarf etwas Sperma abgibt. 

Aus zwei Tieren wird so faktisch eins. Aber warum werden dann erst zwei Tiere geboren, warum muß das kleine Männchen so eine unsichere Reise unternehmen, immer mit der Gefahr, gefressen zu werden oder nie ein Weibchen zu finden? Warum zwei Geschlechter – oder warum überhaupt Sex?

Für die meisten Menschen klingt diese Frage absonderlich. Nicht jedoch für Evolutionsbiologen. Sie versuchen seit über 30 Jahren herauszufinden, warum sich solch eine komplizierte und auch gefährliche Erfindung der Evolution, wie Sex mit zwei Geschlechtern, durchgesetzt hat.

„Sex ist nicht nur ein Wunder an Kooperation und Kommunikation, sondern auch eins der riskantesten Unternehmen, die höhere Organismen durchführen“, meint der britische Biologe Laurence Hurst von der Universität Cambridge. Schon die Vorbereitungen sind gefährlich. Um das andere Geschlecht zu gewinnen, benehmen sich die meisten Tiere absurd. Elche achten bei der Brunft auf keine Gefahren mehr und kollidieren bei ihren Fangenspielen regelmäßig mit den Fahrzeugen schwedischer Autofahrer; junge Männchen der Menschenaffenart Homo sapiens hängen sich außen an fahrende U-Bahnen, um ihren Weibchen zu imponieren und die Weibchen der Teichhühner liefern sich heftige Kämpfe mit ihren krallenbesetzten Füßen, um das fetteste Männchen zu ergattern. Viele Tiere sterben bei der Balz, andere werden immer verlieren oder nie einen Partner finden und sich nie fortpflanzen.

Die Gefahren hören selbst dann nicht auf, wenn das Lebewesen den gesuchten Geschlechtspartner gefunden hat. Läuse oder Genitalwarzen sind noch die harmloseren Folgen von Sex. …

Dies ist ein Artikelauszug. Den vollständigen Beitrag finden Sie im GEO Magazin Nr. 01/96 oder setzen sich mit uns in Verbindung.