Jäger des virtuellen Lichts

Lichteffekte werden in Hollywoods Computeranimationen immer wichtiger. Die Tricks, die Gollum und die Avatare real aussehen lassen, halten nun auch Einzug in die Medizin.

Samstag, 18. Juni 2016

„Das Skalpell noch etwas nach links bitte!“ Der Chirurg trägt grüne OP-Kleidung wie seine Kollegen. Der OP-Raum ist abgedunkelt, nur der OP-Tisch ist beleuchtet. Auch die Monitore sind klar zu sehen. Ein Assistent hält Wundhaken bereit, um den Schnitt offen zu halten. Aber auf dem Tisch liegt kein Patient. Stattdessen steht dort eine Kamera auf einem ungewöhnlichen Stativ. bdw-Fotograf Volker Steger hockt daneben. Dann macht er acht Aufnahmen – fünf Mal hintereinander: jeweils aus acht verschiedenen Blickwinkeln und mit fünf verschiedenen Blendeneinstellungen.

Nicht nur die Szenerie ist ungewöhnlich, auch der Zweck der geschossenen Fotos. Sie sind nicht dafür gedacht, dass jemand sie anschaut. Steger und seine Mitstreiter interessieren sich für den Lichteindruck des Operationssaals, eingefangen in einem kugelförmigen Bild. Der Lichteindruck soll später dazu dienen, im Computer hergestellte medizinische Bilder zu beleuchten – zum Beispiel die einer Computertomografie. Beleuchten? Im Computer?

Oben: Das Pseudo-OP-Team nimmt seine Positionen ein.  v.l.: Siemens-Mitarbeiter Ulrich Künzel mimt den OP-Assistenten, der den Bauchschnitt mit seinen Wundhaken offen halten wird, OP-Schwester Romana Neumayer die Anästesistin, der Radiologe Dr. Rainer Wunn den Chirurgen und die OP-Schwester Bettina Benda an den Instrumenten.

Wer gerne ins Kino geht und computergenerierte Animationsfilme wie „Toy Story“, „Oben“ oder „Merida – Legende der Highlands“ anschaut, wird im Abspann der Filme einen ungewöhnlichen Beruf finden: den Beleuchter. Dabei handelt es sich nicht um einen „realen“ Lichtsetzer, sondern um einen Spezialisten, der etwas beleuchtet, das nur im Computer existiert. Solche Fähigkeiten werden nicht nur für Hollywood und Computerspiele immer wichtiger, sondern auch für die Medizin.

Angefangen hat alles vor über 40 Jahren mit „Star Wars“. Regisseur George Lucas wollte einige Trickeffekte in seinem inzwischen legendären Film digital überarbeiten. Das konnte damals – Mitte der 1970er-Jahre – aber keine Firma bieten. Also gründete Lucas eine eigene Computerabteilung.

Richtig Schwung bekam die Entwicklung des digitalen Lichtsetzens, als es in Lucas’ Ehe kriselte und Apple-Gründer Steve Jobs quasi aus seiner eigenen Firma geworfen wurde. Lucas brauchte dringend Geld für seine Scheidungund der von Kunst und Grafik begeisterte Jobs ein neues Betätigungsfeld. Und so wechselte die Computerabteilung von „Lucasfilm“ 1986 für den Schnäppchen-Preis von fünf Millionen Dollar den Besitzer. Steve Jobs integrierte sie in seine neu gegründete Firma Pixar, heute eine der führenden Produzenten von computeranimierten Trickfilmen. Mit in die neue Firma wechselte auch der Regisseur Ed Catmull.

Jobs wollte mit Pixar so etwas wie Apple für Künstler schaffen: Kombinierte Hardware- und Software-Pakete, mit denen jedermann zu Hause ganz einfach anspruchsvolle grafische Projekte umsetzen konnte.

Dummerweise wollte kaum jemand die sogenannten NeXT-Computer kaufen.

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Autor & Fotos: Thomas Willke