Die kleine Welt im Apfelbaum

Ein Film von Thomas Willke | Joachim Hinz | Urs Wyss 43 Minuten, Deutschland 2010

Freitag, 2. September 2011

Apfelbäume sind die Serengeti im Miniformat.  Riesige Tierherden ziehen im Rhythmus der Jahreszeiten über die Bäume. Gefährliche Raubtiere lauern ihnen auf, hetzen und töten sie. Sex, Geburt und Tod geschehen auf kleinsten Raum dicht nebeneinander – alles im Miniaturformat, gleich bei uns nebenan auf der nächsten Wiese.

Ein Jahr lang hat das Filmteam – das  aus dem Lübecker Regisseur und Drehbuchautor Thomas Willke, dem Aukruger Kameramann Joachim Hinz und dem Kieler Professor Urs Wyss besteht – das Leben der großen und kleinen Tiere in einem Apfelhain verfolgt. Das Team ist in die Bäume geklettert, hat sie mit einem Miniaturhelikopter über- und durchflogen und das für das bloße Auge unsichtbare Leben unter dem Stereomikroskop verfolgt.

Ein naturbelassener Apfelhain ist die Heimat vieler Tiere. Ihre Nahrungsgrundlage ist der Apfelbaum, seine Knospen, Blätter, Blüten und natürlich seine Früchte, die vielen großen und kleinen Tieren schmecken. Winzige Insekten wie Blattläuse, Apfelblütenstecher und Apfelwickler bevölkern den Baum ebenso wie Gelbhalsmäuse, Stare und Steinkäuze, die die Höhlen in den alten Bäumen nutzen. Aber auch am Boden profitieren Tiere von diesem Reichtum: Maulwürfe jagen Regenwürmer, die sich von den Blättern ernähren, die vom Baum fallen. Igel jagen die Schnecken, die das Fallobst fressen. Sie sind aber auch nicht abgeneigt, ein bisschen an den Äpfeln zu naschen, vor allem wenn sie angegoren sind.

Kaum sprießen im Frühjahr die ersten Knospen des Apfelbaums, schlüpfen die Blattläuse aus ihren Überwinterungseier und marschieren hinauf zu den Knospen. Es ist ein gefährlicher Marsch. Vögel und räuberische Insekten lauern ihnen auf. Blattläuse sind die Hauptnahrungsquelle für „Raubtiere“. Marienkäfer sind ausgesprochen gefräßige Räuber. Selbst die Paarung hält die Weibchen nicht davon ab, weiter zu fressen. Für die Bäume sind die Räuber ein Segen, den sie sichern sein Überleben und den Obstbauern und uns eine leckere Ernte.

Trotz dieser Gefahren erreichen die Blattläuse ihr Ziel. Sobald sie das zarte Gewebe der Knospen und jungen Blätter erreicht haben, beginnt der Kampf um die besten Plätze. Blattläuse bekommen ihre Nahrung mit Druckbetankung: Sie stechen die Apfelblätter nur an. Der Druck im Inneren des Apfelbaums drückt den Pflanzensaft direkt in die Laus. Die filtert vor allem das Eiweiß heraus, das sie für ihr Wachstum braucht, und schießt den überschüssigen Saft weg. Der Saft muss weit weg, da er sehr klebrig ist. Eine Blattlaus, die versehentlich in einen Tropfen tritt, könnte darin festkleben und im Saft sterben. Die Läuse schießen die Tropfen mit so hoher Geschwindigkeit, dass man die Flugbahn mit bloßem Auge nicht erkennen kann. Erst die Zeitlupe im Film zeigt uns, was dort im Mikrokosmos geschieht.

Das Team

Kameramann Joachim Hinz (links), dessen preisgekrönte Filme, wie der über die Wasserspitzmaus, im Abendprogramm von ARD und den Dritten gelaufen sind, verfolgte das Leben der „großen“ Tiere und Pflanzen im Apfelhain, wobei eine Maus schon „groß“ ist.

Die wirklich kleinen Tiere, wie die Blattläuse und Marienkäfer“ dokumentierte Urs Wyss (mitte), emeritierter Professor für Pflanzenschutz von der Universität Kiel. Er ist ein Meister der Mikroaufnahmen. Mit unglaublicher Geduld und einem sicheren Gespür wann die Tiere etwas spannendes tun, verbringt er fast seine gesamte Zeit vor dem Stereomikroskop.

Thomas Willke (rechts) ist Biologe, Dokumentarfilmer und Korrespondent des Magazins bild der wissenschaft. Sein Büro „wissenschaft und meer“ hat den Film produziert.

In den Medien

„Die kleine Welt im Apfelbaum“ lief in der Erstaufführung am Freitag den 2.9.2011 um 19.30 auf arte. Wiederholung war am Freitag, den 9.September um 14.00 Uhr auf arte.

Außerdem lief er am Freitag den 9.9.2011 um 10.00 und am Sonntag den 11.09.2011 um 11.30 auf dem internationalen Naturfilmfestival Greenscreen in Eckernförde. Das Festival fand vom 7. bis 11. September in Eckernförde statt.

Vom 12.01. bis 14. April lief er auf der Oköfilmtour in allen Städten und vielen Dörfern Brandenburgs.

Im Mai und Juni 2013 war der Film auf dem Waga-Brothers Naturfilmfestival in Tykocin/Polen zu sehen.

„Die kleine Welt im Apfelbaum“ bei W wie Wissen der ARD und bei Odysso des  SWR.

(c) Fotos auf dieser Seite: Thomas Eisenkrätzer, Urs Wyss, Joachim Hinz