Antarktis – Ein Stück Deutschland im Eis

Seit 28 Jahren betreibt das Alfred-Wegener-Institut eine Dauerstation in der Antarktis. In diesen Tagen wird dort Neumayer III eingeweiht. Ein Bericht über die erste abenteuerliche Überwinterung 1982.

Foto: Jürgen Janneck, Alfred-Wegener-Institut

„Der Helikopter flog mich vom Schiff über das Meereis. Dann kam ein Absatz in der Landschaft, die Schelfeiskante, und darauf war es nur noch weiß, weiß, weiß – bis dieser Krümel auftauchte. Als ich die Station zum ersten Mal sah, musste ich trocken schlucken. Da sollte ich das nächste Jahr verbringen!“, erinnert sich Gert König-Langlo, Meteorologe der ersten wissenschaftlichen Überwinterungsgruppe 1981/ 82 auf der Georg-von-Neumayer-Station in der Antarktis. Mehr als ein Krümel in der Landschaft war die Station tatsächlich nicht. Sie war im Februar 1981 fertig geworden – doch die Schneeverwehungen des darauffolgenden Südwinters hatten ausgereicht, um die Forschungseinrichtung fast komplett zu begraben. Nur ein kleiner Rest der Wellblechverkleidung schaute heraus. König-Langlo, damals 28 Jahre alt, kletterte über Steigleitern ins Innere der Station, brachte seine Ausrüstung hinein, kam wieder heraus und machte sich an der Verkleidung zu schaffen – illegal.

„Jetzt, nach einem Vierteljahrhundert, kann ich es ja gestehen“, sagt der heutige Leiter des meteorologischen Antarktis-Observatoriums vom Alfred-Wegener-Institut (AWI). „Ich habe eine Schraube aus der Konstruktion gedreht – was natürlich streng verboten war – und einen Antennendraht herausgezogen. Dadurch konnte ich Kurzwellenradio hören und etwas von der Außenwelt erfahren.“ Der unerlaubte Zugriff sollte den Forschern im nächsten Polarwinter noch sehr nützlich sein.

Heute, 28 Jahre später, ist die Abgeschiedenheit von der Außenwelt kein Thema mehr. Die neue Station Neumayer III, die in diesen Tagen in Betrieb geht, hat – ebenso wie die Vorgängerstation Neumayer II – eine Satelliten-Standleitung. „Das ist zwar nicht DSL-Qualität, aber mit ISDN durchaus vergleichbar“, sagt König-Langlo. „Wir können E-Mails schreiben und empfangen, Internet-Zeitungen lesen, auf den AWI-Server in Bremerhaven zugreifen und unsere wissenschaftlichen Messwerte übermitteln. Jeder auf der Welt kann sie auf unserer Homepage lesen oder durch unsere Webcam die Station sehen.“ Auch ein Telefonanruf ist heute jederzeit möglich. Für die AWI-Mitarbeiter ist das Gespräch von der Antarktis nach Bremerhaven ein Hausgespräch, für das sie nur eine vierstellige Nummer zu wählen brauchen. In der ersten Neumayer-Station lief die Kommunikation noch über Kurzwellenfunk. Ein eigens dafür zuständiger Funker versuchte Verbindung zu anderen Stationen und Forschungseinrichtungen zu halten.

Doch im Polarwinter – wenn es wochenlang gar nicht oder kaum hell wurde – brach dieser einzige Kontakt oft ab….

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